Streitet euch!

Projekt Arbeit und Lernen P.A.u.L. e.V. (Fach- und Koordinierungsstelle des Bundesprogramms „Demokratie leben“ Höhr-Grenzhausen)
Lädt ein zur Veranstaltung „Streitet euch!“: Über den demokratischen Umgang mit Populismus und Stammtischparolen.

Am 11.04.19, 19:00 Uhr ins Keramikmuseum Höhr-Grenzhausen, der Eintritt ist frei!

Referent ist Dr. phil. Christian Boeser-Schnebel, er studierte Pädagogik, Psychologie und Politik und ist nach verschiedenen Lehr- und Forschungstätigkeiten seit 2010 Akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenen- und Weiterbildung an der Universität Augsburg.
Boeser-Schnebel ist Leiter des Netzwerks Politische Bildung Bayern und Initiator eines Argumentationstrainings, in welchem es um die grundsätzliche Dialogfähigkeit unserer Gesellschaft gerade auch bei politischen Themen geht (www.politik-wagen.de).
Streit im Sinne des offenen Austragens von Meinungsverschiedenheiten ist für unsere Demokratie unverzichtbar. Wenn die demokratische Wertebasis berücksichtigt bleibt, ist Streit in der Demokratie auch ein Streit für die Demokratie, denn dann stärkt Streit die Demokratie. Nicht der Streit, also das offene Austragen von Meinungsverschiedenheiten, ist das Problem, sondern sowohl die Vermeidung von Streit als auch das feindselige Streiten sind auf Dauer für soziale Beziehungen (ob im Privaten oder in der Gesellschaft) tödlich. Insofern möchte die Abendveranstaltung zum Streit mit Andersdenkenden ermutigen und befähigen.

Die Sehnsucht nach dem Frühling

Was im März 2011 als friedlicher Protest gegen eine repressive Diktatur begann, wurde zum blutigsten Konflikt unserer Gegenwart.

Im Zentrum des Theaterstücks: eine syrische Familie, zerrissen wie das Land. Da ist Suleika, Sunnitin, eine junge Journalistin und Demonstrantin der ersten Stunde. Ihr geliebter Stiefvater, ein Alawit und Oberst der Arabisch-Syrischen Armee wird zu ihrem Gegner. Ihr Verlobter und anfänglicher Mitstreiter Walid radikalisiert sich und schließt sich der Al-Nusra-Front an. Nur Dawud, ihr Halbbruder und christlicher Militärarzt bleibt ihr Vertrauter. Mutter Aischa, Angehörige der sunnitischen Mehrheitsgesellschaft, versucht, ihre Familie in dieser schweren Zeit zusammenzuhalten.

Wir folgen dem Geschick dieser Familie von 2011 bis zur Gegenwart, erleben sie an Brennpunkten Syriens: Daraa, Damaskus, Homs, Jarmouk, Ghouta, Al-Raqqqa, Aleppo. Wir erfahren die Bitterkeit des Krieges und nehmen Anteil an dem verzweifelten Bemühen syrischer Menschen um ein friedliches Miteinander und um Versöhnung.

Am 13. März 2019 ab 19:30 im

Till Eulenspiegel

Höhr-Grenzhausen

Karten kostenlos im Rathaus der VG Höhr-Grenzhausen

Aktuelle Formen des Antisemitismus

Vortrag von Pierre Klapp:
Der Antisemitismus ist in Deutschland kein Phänomen der Vergangenheit, sondern
in seinen verschiedenen Formen und ihrer Verknüpfung noch immer allzu
präsent. Es ist nicht auf einzelne gesellschaftliche Gruppen begrenzt, sondern in
unterschiedlichen Ausprägungen in allen Teilen der Gesellschaft anzutreffen.
Es handelt sich um ein Ressentiment, das über die Jahrhunderte sein Auftreten
und seine Argumente immer wieder den veränderten Verhältnissen anpasst und
im Kern doch obsessiver Judenhass bleibt.

Am Donnerstag, 13.12.2018 um 19 Uhr im Keramikmuseum Höhr-Grenzhausen, Lindenstraße 13
Der Eintritt ist frei!

Alles Heimat – oder was?

Was passiert, wenn sich zehn völlig unterschiedliche Menschen im Alter von 11 – 72 Jahren zusammenfinden, um gemeinsam ein Theaterstück zu entwickeln? Es wird spannend, bunt und abwechslungsreich und genauso vielseitig, wie die Darsteller selbst!

Unter dem Motto „Heimat“ entwarfen 10 Laiendarsteller unter der Leitung von Regisseur Udo Willer seit Mai 2018 ein Theaterstück mit dem Titel „Alles Heimat“. Beginnend mit der Überlegung „Was ist Heimat und was bedeutet das eigentlich für mich?“ entbrannte eine lebendige und kreative Diskussion, die zu einem ersten Konstrukt und zur Rahmenhandlung des Stückes führte: Ein Penner, eine Tänzerin, ein „zickiges“ Mädchen, eine Hobby-Horsing-Reiterin, ein Türke, ein Senior, eine Heimatvertriebene, ein Flüchtlingsmädchen und eine Ex-Zweite-Heimatlerin versuchen an einer Bushaltestelle einer Blinden zu helfen, die nicht mehr weiß und wissen will, was Heimat eigentlich ist. Alle versuchen verzweifelt, ihr das Gefühl von „Heimat“ spielend, streitend, dichtend, singend, tanzend und reitend wieder zurück zu geben. Aber die blinde Dame will nichts davon wissen. Doch zum guten Schluss steht fest: Heimat fühlt sich erst gemeinsam richtig gut an.
Als Darsteller agieren: Jens Becker, Verena Lodwig, Gisela Büchting, Claudia Büchting, Maya Alessa Jukic, Greta Pracht, Cihan Kadir Yavuz und Marie Smatanova.

Die Premiere findet am Sonntag, den 09. Dezember 2018 um 16.00 Uhr im Jugend- und Kulturzentrum „Zweite Heimat“, Eintritt 6,- Euro statt.
Karten sind erhöltlich unter Tel.: 02624/7257 oder online unter www.juz-zweiteheimat.de

Gefördert wird das Projekt durch das Bundesprogramm Demokratie leben.

Populismus entgegnen

Mit einfachen Bilder, Meinungen und Vergleichen machen Rechtspopulisten Stimmung für sich und gefährden dabei unsere Demokratie. Was ist da los? Kommen wir vom Weg der Freiheit ab? Und was können wir tun? Vor welche Herausforderungen wird die Politik vor Ort gestellt?

Die Partnerschaft für Demokratie in der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen möchte sich mit diesen Kernfragen auseinandersetzen und lädt alle interessierten Menschen ein.

Referent des Abends ist Florian Hartleb. Als promovierter Politikwissenschaftler arbeitet er als Publizist und Politikberater in Passau und Tallinn/Estland. Seit 2000 forscht er zu den Themen Populismus, Parteien und Radikalismus und ist Dozent an mehreren deutschen Universitäten.

missio-Fluchttruck am GiK

Drei Tage lang stand der große Ausstellungstruck des internationalen katholischen Hilfswerk Missio auf dem Schulhof des Gymnasiums im Kannenbäckerland. In 90-minütigen Workshops wurden die Schüler/innen der Stufen 8-11 mit dem Thema Flucht, Fluchtursachen und dem Vertiefungsthema „Ressourcenkonflikte als Fluchtursache: Mein Handy und der Kongo“ konfrontiert.
Die interaktive Führung verdeutlichte sehr eindringlich am Beispiel von Bürgerkriegsflüchtlingen im Osten der Demokratischen Republik Kongo die Ängste und Hoffnungen von Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen. Die Schüler/innen schlüpften dabei in die Rolle eines Betroffenen und wurden mit Filmsequenzen, Hörtexten und Informationstafeln durch insgesamt sieben mit viel Liebe zum Detail gestaltete Räume geleitet, mussten dabei Entscheidungen treffen und erfuhren vieles über die Lebenssituation von Menschen in Zentralafrika.
Ergänzt wurde die Ausstellung durch ein Seminar, in dem die Eindrücke gesammelt und diskutiert wurden.
Die beiden Referenten, Eva Maria Daganato und Marcus Composs, agierten sehr engagiert und wertschätzend und zeigten sich auch beeindruckt von der Offenheit und Aufmerksamkeit der Schüler/innen des GiK.
Diese wertvolle Aktion wurde nur durch die Initiative der katholischen Kirche Höhr-Grenzhausen und die finanzielle Unterstützung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben“ möglich. Wir danken Herrn Stahl sowie Herrn Wolfram und allen weiteren Personen, die unterstützend gewirkt haben, sehr herzlich für Ihren Einsatz und die hervorragende Zusammenarbeit mit unserem Deutsch- und Religionslehrer Herrn Kästel, der für die Schule die Aktion koordinierte.

„Jeder Mensch hat verdient, dass man nach ihm fragt, wenn er nicht da ist“

Nach der musikalischen Eröffnung begann die Gedenkfeier im AWO Pavillon in Höhr-Grenzhausen mit einem Auszug aus dem Buch „Damals war es Friedrich“ des deutschen Schriftstellers Hans-Peter Richter. Der Vortrag der Schüler des Gymnasiums im Kannenbäckerland versetzte die Anwesenden in die Zeit des Nationalsozialismus, als der jüdische Schüler Friedrich die Schule verlassen musste.

Die Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe Ev. Religion des GiK und ihr Lehrer Bernd Christ setzten sich mit der schwierigen Vorstellung auseinander, dass ein Mitschüler plötzlich und ohne vorherige Ankündigung nicht mehr in der Klasse, nicht mehr in der Schule und nicht mehr am Wohnort ist. „Jeder Mensch hat verdient, dass man nach ihm fragt, wenn er nicht da ist“, dieser Satz erscheint in den Vorträgen der Gedenkstunde immer wieder. So erinnern die Jugendlichen an die Gräueltaten der Nazis, an die Schicksale der Opfer und symbolisieren die Verantwortung, die jedem Einzelnen obliegt. Nach den Begrüßungsworten von Frau Pfarrerin Monika Christ beschäftigte sich Saskia Kaiser, Studentin am IKKG, in ihrer Videopräsentation mit der Interpretation des „Verschwindens“ und dem Begriff „Verschollen?“, worauf auch auf der neuen Informationstafel am Eingang des Stadtparkes eingegangen wird.

Bürgermeister Thilo Becker sensibilisierte in seiner Ansprache die Notwendigkeit, für das Schicksal seiner Mitmenschen Interesse und Verantwortung zu zeigen. „Denn es begann im Kleinen. Mit Provokation, Einschüchterung, Verleumdung, mit Worten, “ mahnte Thilo Becker. „Jeder Mensch hat verdient, dass man nach ihm fragt. Bitte fragen Sie auch weiterhin und fragen Sie warum. Respekt vor dem Anderen, Offenheit und Toleranz sind die Garanten für eine friedvolle Zukunft“, so der Bürgermeister weiter.

Der anschließende Schweigemarsch führte zum Mahnmal am Stadtpark, wo in Keramikplatten eingearbeitete Namen an die Opfer aus Höhr-Grenzhausen erinnern. Hier wurde eine neue Erinnerungstafel vorgestellt, worauf u. a. ein Zitat aus den Aufzeichnungen des jüdischen Häftlings Salmen Gradowski zu lesen ist. Diese Texte wurden nach der Befreiung des KZ Ausschwitz auf dem Lagergelände gefunden. Die Erinnerungstafel wurde gestaltet und realisiert von Rolf Knieper über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“.

Durch das Vorlesen der Namen wurde konkret an die jeweiligen Schicksale der 25 ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern aus Höhr-Grenzhausen und Hilgert erinnert. Anschließend legten Bürgermeister Thilo Becker und Stadtbürgermeister Michael Thiesen einen Kranz zum Gedenken an die ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürger nieder. Außerdem wurden nach jüdischer Tradition Steine auf den Keramikplatten abgelegt.

Die evangelische Kirchengemeinde sowie die Verbandsgemeinde und die Stadt Höhr-Grenzhausen gestalteten die würdevolle Gedenkfeier gemeinsam mit Lehrern und Schülern des Gymnasiums Kannenbäckerland sowie von Stefan Wolfram („PAuL e. V.“ als Teil des Bundesprogrammes „Demokratie Leben!“) und Rolf Knieper (Opferberatung „m-power“). Die Beratungsstelle „m-power“ ist eine vom Bund geförderte, mobile Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Für die musikalische Begleitung der Gedenkstunde sorgten die jüdische Klezmer-Künstlerin Odelia Lazar und der Gitarrist Michael Wienecke.

 

Film „Deutsche Pop Zustände“

Im ersten Bekennervideo des NSU werden die Songs „Am Puls der Zeit“ und „Kraft für Deutschland“ der populären Rechtsrock-Band „Noie Werte“ zur musikalischen Untermalung des Gezeigten verwendet. Musik spielte im NSU um Uwe Bönhard, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe eine zentrale Rolle – von ihnen ist bekannt, dass sie in der subkulturell geprägten neonazistischen Szene politisiert wurden und häufig auf Konzerte gingen.

Die rechtsextreme Musikszene, speziell das Netzwerk um “Blood & Honour”, hat später die untergetauchten mutmaßlichen NSU-Terroristen unterstützt. Die Szene baut zunehmend auf die mobilisierende Wirkung der Musik. Eine Idee, die sich auch die NPD zu eigen gemacht hat: Seit 2004 sucht sie „die Herzen von Jugendlichen durch Musik zu erobern“, indem sogenannte Schulhof-CDs an deutschen Schulen verteilt werden. Bis heute beschreiben diese CDs sehr genau den ideologischen Ist-Zustand rechter Musik. Der Dokumentarfilm von Dietmar Post und Lucía Palacios zeichnet diese Entwicklungen nach und stellt Verbindungen zu sozialen und politischen Entwicklungen in Deutschland seit den späten 1970er Jahren bis in die Gegenwart her. Ähnlich wie in ihrem von ZDF/3sat koproduzierten pop-historischen Dokumentarfilm „Monks – The Transatlantic Feedback“, der 2009 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, arbeiten die Autoren auch in ihrem neuen Film kommentarlos mit Gesprächen und akribisch recherchiertem Archivmaterial.

Für ihren Film haben sie Poptheoretiker und Soziologen, MusikerInnen und Label- VertreterInnen sowie einen Aussteiger aus der rechten Szene und einen Ausstiegsberater mit einer umfangreichen Sammlung musikalischer Beispiele besucht, und diese von ihnen analysieren, kommentieren und einordnen lassen. So kommen zu Wort: Jan Raabe, Herausgeber des Buches „RechtsRock“, Henryk Gericke, Autor des Buches „Ostpunk“, Jonas Engelmann, Autor und Verleger des Ventil Verlags, Michael Weiß, Bildungsreferent des Antifaschistischen Pressearchivs APABIZ, Wilhelm Heitmeyer, Gründer des Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung Bielefeld, der Rapper Chaoze One, Rapperin Sookee und Anna Groß vom Berliner Springstoff-Label, Philipp Burger, Texter und Sänger der Südtiroler Band „Frei.Wild“, sowie der „nationale“ Liedermacher Frank Rennicke.

(Quelle: Presseheft Deutsche Pop Zustände)

„Oh, eine Dummel! Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit in Karikatur und Satire“

Vom 28. August bis 8. September 2017 konnte die Wanderausstellung „Oh, eine Dummel!“ nach Höhr-Grenzhausen geholt werden. Die aus Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben“ finanzierte Ausstellung konnte von Bürgerinnen und Bürgern in den Räumlichkeiten der Gaststätte „Till Eulenspiegel“ kostenlos besucht werden.

Die Ausstellung ermöglicht einen besonders jugendgerechten Zugang zu den Themen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit.

Anhand von ca. 60 Karikaturen namhafter Künstler sowie satirischen Fernseh- und Filmbeiträgen konnten sich die Besucherinnen und Besucher mit den typischen, rechtspopulistischen und rechtsextremen Parolen und Argumentationsweisen auseinandersetzen.

Die satirischen Beiträge setzen sich vor allem aus Beiträgen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens (z.B. NDR, Extra3 / ZDF, Die Anstalt etc.) zusammen. So wurde ein Film über den „unfreiwilligen Spendenlauf von Wunsiedel“ sowie „Devotionalien“ des Satire-Labels „Storch Heinar“ gezeigt, das als Antwort auf die, unter Rechtsextremen beliebte, Mode-Marke „Thor Steinar“ gegründet wurde.

Die Karikaturen sind verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen, Zeitschriften und Satire-Magazinen entnommen und stammen u.a. von Ralph Ruthe, Klaus Stuttmann, Kostas Koufogioros, Tetsche, Til Mette, Thomas Metzner, Harm Bengen und Heiko Sakurai.

Diese setzen sich gemäß ihrem jeweils eigenen Stil mit der Thematik auseinander.

Den Betrachtenden blieb hier das Lachen förmlich im Halse stecken. Die Darstellungen gaben Anstoß über die Entstehung und über Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit nachzudenken.

Rund 150 Schülerinnen und Schüler umliegender Schulen nahmen das Angebot zum Ausstellungsbesuch war. Sie hatten die Möglichkeit, im Anschluss selbst Karikaturen und Zitate beizusteuern, vertiefende Informationen zu erhalten sowie Gelegenheit, gemeinsam darüber zu diskutieren, wie man dem etwas entgegensetzen kann. Die Moderation übernahm Stefan Wolfram, Geschäftsführer von PAuL e.V., der von der Verbandsgemeinde beauftragte externe Mitarbeiter der Koordinierungs- und Fachstelle des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.